Wie oft machst Du Dich kleiner als Du bist?

Kennst Du auch solche Situationen aus Deinem Berufsalltag?

  • Du wirst nicht zu einem Meeting eingeladen, obwohl Du eigentlich dabei sein solltest.
  • In einem Kundentermin, bei dem Du die Projektleitung hast, wirst Du gebeten, doch bitte Kaffee zu holen.
  • Du wirst mitten in einer Präsentation oder in einem Meeting, das Du leitest, unterbrochen.
  • Ein Kunde richtet seine Fragen an einen männlichen Kollegen, obwohl dieser zu Deinem Team gehört.
  • Ein Kunde bittet Deinen männlichen Kollegen, das zu bestätigen, was Du bereits erklärt hast – als bräuchte er eine zweite Meinung, um Deinen Aussagen zu vertrauen.
  • Du wirst vor anderen dafür kritisiert, zu emotional zu sein – nur weil Du klar kommunizierst und Grenzen setzt.
  • Dir wird gesagt, Du seist „zu viel“.
  • Du wirst beurteilt, kritisiert, sexualisiert oder schlichtweg nicht ernst genommen.
  • Oder etwas Ähnliches.

Kommt Dir etwas davon bekannt vor?

Was Du erlebt hast, ist kein Einzelfall. Frauen erleben im Berufsleben immer wieder, dass ihre Kompetenz und Glaubwürdigkeit zunächst stärker infrage gestellt werden als die von Männern. Oft geschieht das gar nicht bewusst, sondern aufgrund tief verankerter unbewusster Vorurteile.

Was passiert ist nicht wichtig, sondern wie Du reagierst

Vielleicht erkennst Du Dich in der ein oder anderen Reaktion auch wieder:

  • Du hörst sofort auf zu sprechen, lächelst und lässt die andere Person reden.
  • Du machst Dich kleiner und bist besonders freundlich, weil Du nicht überreagieren oder für unangenehme Stimmung sorgen möchtest.
  • Du erklärst Dich immer wieder, rechtfertigst Dich oder versuchst zu beweisen, dass Du kompetent bist.
  • Oder Ähnliches

All das kostet unglaublich viel Energie und kann dazu führen, dass Du Dich klein und unsicher fühlst.

Noch spannender finde ich allerdings eine andere Frage:

Wann hast Du eigentlich gelernt, so zu reagieren?

Denn die meisten dieser Reaktionen entstehen nicht erst im Berufsleben. Wir haben sie oft schon viel früher gelernt. Sie waren einmal sinnvoll, weil sie uns geholfen haben, Konflikte zu vermeiden oder dazuzugehören.

Heute halten sie uns jedoch häufig davon ab, souverän unseren Platz einzunehmen.

Deshalb möchte ich Dir heute einige Strategien mitgeben, wie Du in solchen Situationen professionell für Dich einstehen kannst, ohne laut oder aggressiv werden zu müssen.

Strategien, um Deinen Platz einzunehmen

Hier sind einige einfache und gleichzeitig sehr wirkungsvolle Möglichkeiten, mit denen Du die Dynamik im Raum zu Deinen Gunsten verändern kannst.

1. Du wurdest nicht eingeladen

Sprich die verantwortliche Person freundlich und direkt an:

„Ich glaube, Du hast vergessen, mich zu dem Meeting einzuladen. Ich sollte dabei sein, weil ich das Projekt, um das es geht, leite. Bitte setz mich noch auf den Verteiler und schick mir die Agenda.“

Keine langen Erklärungen oder Rechtfertigungen, einfach nur ein paar klare Fakten.

2. Man hält Dich für die Assistentin

Wenn Dich jemand bittet, Kaffee zu holen, Kopien zu machen oder das Protokoll zu schreiben, stelle die Situation umgehend, kurz und freundlich klar:

„Ich bereite gerade meine Präsentation vor. Die Kaffeemaschine findest Du übrigens gleich draußen auf dem Flur.“

3. Du wirst immer wieder unterbrochen

Sprich ruhig weiter und sage:

„Einen Moment bitte. Ich möchte meinen Gedanken beziehungsweise meine Präsentation erst zu Ende führen. Danach können wir gerne Fragen besprechen oder Du kannst Deine Sicht ergänzen.

Du musst niemandem das Wort überlassen, nur weil er es sich nimmt.

4. Dein männlicher Kollege wird angesprochen

Wenn jemand immer wieder Deinen männlichen Kollegen anspricht, obwohl Du verantwortlich bist, beantworte die Fragen einfach selbst, bevor Dein Kollege reagieren kann.

Dasselbe gilt, wenn jemand Deinen männlichen Kollegen ständig um Bestätigung für das bittet, was Du gerade erklärt hast. Beginne mit:

„Wie ich gerade erläutert habe …“

So lenkst Du die Aufmerksamkeit wieder auf Dich.

5. Schaffe von Anfang an Klarheit

Stell Dich zu Beginn eines Meetings eindeutig vor:

„Mein Name ist … und ich leite heute dieses Meeting.“

Je klarer Deine Rolle von Anfang an ist, desto schwieriger wird es, sie später zu ignorieren.

6. „Du bist zu emotional.“

Das ist eine Aussage, die viele Frauen kennen.

Werde nicht defensiv. Bleib ruhig und frag stattdessen:

„Ich bin nicht emotional. Ich bin gerade sehr konkret. Kannst Du mir sagen, wodurch dieser Eindruck bei Dir entsteht?“

Mit einer offenen Frage gibst Du die Interpretation zurück an Dein Gegenüber. Und oft wird dann sehr schnell deutlich, dass hinter der Aussage wenig Substanz steckt.

Versuche nicht zu beweisen, dass Du ruhig bist. Genau das ist die Falle.

Je mehr Du Dich bemühst, besonders angenehm zu wirken, desto mehr passt Du Dich den Erwartungen anderer an.

Du musst niemandem zuliebe besonders freundlich auftreten, um ernst genommen zu werden. Bleib einfach klar, sachlich und direkt.

Wenn jemand das als Ärger interpretiert, sagt das mehr über seine Wahrnehmung aus als über Dich.

7. Nutze Deine Körpersprache bewusst

Dein Körper sendet Signale, bevor Du überhaupt ein Wort sagst. Das klingt vielleicht selbstverständlich, wird aber häufig unterschätzt.

  • Setz Dich möglichst an den Kopf oder die Mitte des Tisches und nicht an den Rand.
  • Nimm Raum ein: Mit Deinem Laptop, Deinen Unterlagen, Deinen Armen und Händen. Lehne Dich leicht nach vorne.
  • Wenn Du das Meeting leitest, steh für Deine Präsentation auf und übernimm selbst die Steuerung der Folien. Es fällt deutlich schwerer, die Person zu ignorieren, die ganz klar das Meeting führt und sichtbar Raum einnimmt.
  • Bleib im wahrsten Sinne des Wortes standhaft: Beide Füße fest auf dem Boden, aufrechte Haltung, Schultern zurück, Kopf gerade. Mach Dich nicht kleiner und neige den Kopf nicht zur Seite (das wird von Männern oft als Schwäche interpretiert).
  • Halte Blickkontakt. Wenn Dich jemand unterbricht oder stattdessen Deinen männlichen Kollegen anspricht, schau Deinem Gegenüber direkt in die Augen, während Du antwortest. So zwingst Du die Person, sich mit Dir auseinanderzusetzen.
  • Sprich mit einer ruhigen, gleichmäßigen Stimme – möglichst aus Brust oder Bauch und nicht nur aus Hals oder Kopf.

Wenn Du körperlich Raum einnimmst, nehmen andere Dich unbewusst als souverän und kompetent wahr. Ich habe immer wieder erlebt, wie Frauen allein dadurch die Dynamik in einem Raum komplett verändert haben, dass sie aufgehört haben, sich unbewusst kleiner zu machen.

Du kennst diese Strategien eigentlich längst und trotzdem gelingt es Dir im entscheidenden Moment nicht immer, sie umzusetzen?

Das ist völlig normal, denn in solchen Situationen reagierst Du nicht nur mit Deinem Verstand, sondern mit Deinem ganzen Nervensystem. Und wenn Dein Gehirn etwas als Bedrohung wahrnimmt, schaltet er automatisch auf Anpassung, Rückzug oder Rechtfertigung.

👉 Genau deshalb habe ich Dir heute ein kurzes Tapping-Video aufgenommen. Es hilft Dir, den inneren Stress herunterzufahren, wieder bei Dir anzukommen und in solchen Momenten klarer, ruhiger und präsenter zu bleiben.

Ich wünsche mir sehr, dass Du folgendes mitnimmst:

🌱 Du musst nicht lauter werden, um gehört zu werden.

🌱 Du musst Dich nicht ständig erklären, rechtfertigen oder beweisen.

🌱 Und Du musst Dich schon gar nicht kleiner machen, damit andere sich wohler fühlen.

🌱 Du darfst Deinen Platz einnehmen – mit Klarheit, Präsenz und Selbstvertrauen.

Denn genau das ist Führung.

Ich wünsche Dir viele Gelegenheiten, Deinen Platz bewusst einzunehmen.

Herzliche Grüße

Sibylle 🌸

P.S. Du kennst die Tapping-Punkte noch nicht?
Dann schau Dir zuerst mein kurzes Video dazu an.

Gender-Hinweis

Ich schreibe so, dass es einfach und flüssig zu lesen ist. Meiner Meinung nach, sollte Sprache sich gut anfühlen, statt kompliziert zu sein. Viel wichtiger als Wortkonstruktionen ist für mich echte Gleichberechtigung ALLER im Alltag.

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