Übertriebene Vorsicht – nicht Neugier – „killed the cat“

Huch, da steht auf einmal ein neuer Akten-Schrank!?!?!

Meine Katze, Kali, blieb wie angewurzelt stehen und beobachtete das Ding erst einmal aus sicherer Entfernung, während ihr Hals immer länger wurde. Dann schlich sie vorsichtig näher, schnupperte, machte wieder einen Schritt zurück und umrundete ihn in einem großen Bogen.

Erst als sie sicher war, dass davon keine Gefahr ausgeht, rieb sie ihr Köpfchen daran und erklärte den Schrank offiziell für ungefährlich.

Wenig später saß Kali auch schon obendrauf und findet das neue Ding eigentlich ganz cool, weil sie von da oben einen tollen neuen Blickwinkel auf die Welt hat.

Ich musste schmunzeln, denn wir Menschen sind oft gar nicht so anders. Sobald sich etwas verändert – eine neue Führungskraft, eine Umstrukturierung, ein anspruchsvolles Projekt oder eine ungewohnte Aufgabe – reagieren viele von uns erst einmal mit Vorsicht. Wir beobachten, analysieren und malen uns im Kopf sämtliche Risiken aus.

Dabei fällt mir immer wieder die Redewendung ein:

„Couriosity killed the cat“

Sie warnt uns davor, dass uns zu viel Neugierde Ärger einhandeln oder uns gar in Gefahr bringen kann.

Interessanterweise lautete das Sprichwort im 16. Jahrhundert noch ganz anders:

„Care killed the cat.“
Care im Sinne von Sorgen und Kummer.

Mit der Zeit wandelte sich die Bedeutung und Ende des 19. Jahrhunderts war die heute bekannte Redewendung fest im Sprachgebrauch als Warnung verankert, uns um unseren eigenen Kram zu kümmern…

Wenn Du mich fragst, beschreibt die ursprüngliche Redewendung den Führungsalltag in vielen Firmen sehr treffend. Denn nicht Neugier hält uns zurück, sondern unsere Sorgen.

⚡️ Die Sorge, falsche Entscheidungen zu treffen.

⚡️ Die Sorge zu viel zu riskieren.

⚡️ Die Sorge, Fehler zu machen.

⚡️ Die Sorge, kritische Fragen zu stellen.

Aber Sorgen lähmen uns und somit stagniert auch das Business, während Neugier Bewegung ins Spiel bringt und neue Möglichkeiten eröffnet.

Führungs-Power „Neugier“

Viele Leaderinnen glauben, gute Führung bedeutet, möglichst schnell die richtige Antwort zu haben. Und ich glaube, genau das hält viele davon ab, wirklich starke Leaderinnen zu werden. Denn wer glaubt, alles wissen zu müssen, hört irgendwann auf zu fragen.

Starke Leaderinnen wissen nicht alles und haben auch nicht immer sofort alle Antworten parat. Aber: sie mutmaßen und urteilen auch nicht vorschnell. Dafür stellen sie viele offen Fragen.

Erfolgreiche Leaderinnen wollen Probleme, Hintergründe, Zusammenhänge und vor allem die Menschen verstehen. Sie wissen, dass die Qualität ihrer Fragen oft über die Qualität ihrer Entscheidungen entscheidet. Und sie wissen, Neugier treibt sie an, Grenzen zu verschieben. 

Wie Du, als neugierige Leaderin, die Unternehmenskultur, das Betriebsklima und die Betriebsergebnisse nachhaltig verändern kannst:

1. Du förderst psychologische Sicherheit

Wenn Du als Leaderinnen zugibst, dass Du nicht alles weißt, ermutigst Du auch Dein Team, tiefergehende Fragen zu stellen, Meinungen und Ideen einzubringen und Fehler zu machen und offen anzusprechen.

So entstehen Vertrauen und ein Gefühl von Sicherheit.

2. Bessere Entscheidungen & schnellere Lösungen

Du hinterfragst den Status Quo und Annahmen, versuchst Zusammenhänge besser zu verstehen und betrachtest Probleme aus verschiedenen Blickwinkeln.

Das spart Zeit, reduziert Fehlentscheidungen und führt schneller zu tragfähigen Lösungen.

3. Mehr Kreativität und Innovation

Du förderst mit Deiner Neugier alternative Denkweisen und Ansätze, ermutigen zu unkonventionellen Ideen und inspiriert Interesse an Neuem.

4. Du stärkst die Bindung zu Deinem Team

Deine Neugier beschränken sich nicht auf Fachthemen. Du zeigst auch echtes Interesse an Deinen Mitarbeiterinnen.

Das schafft Vertrauen, Halt, Perspektiven und damit Sinnhaftigkeit. Und daraus wachsen Engagement, Eigenverantwortung und Motivation.

5. Konflikte verlieren ihre Schärfe

Neugier schafft Empathie und zieht alle Perspektiven mit ein. Das schafft ein harmonischeres Betriebsklima und entschärft Konflikte.

So trainierst Du Deine Neugier

Neugier beginnt mit Deiner Entscheidung, neugierig zu sein.

Probier doch in den nächsten Tagen einmal Folgendes aus:

🌱 Fang an öfter offene W-Fragen zu stellen:
„Wieso?“
„Weshalb?“
„Warum?“
„Woher wissen wir das?“
„Wie bist Du zu dieser Einschätzung gekommen?“
„Was übersehen wir vielleicht noch?“

🌱 Frag nach jeder Antwort mindestens einmal: „Und was noch?“

🌱 Frag bewusst nach anderen Sichtweisen und Meinungen. Vor allem dann, wenn Du denkst, die richtige Antwort schon zu kennen.

🌱 Geh in Gespräche mit der Haltung: „Mal sehen, was ich heute noch lernen kann.“

🌱 Hör so zu, als ob es gerade Deine wichtigste Aufgabe ist.

🌱 Und wenn Du glaubst, genug gefragt zu haben, stell noch eine W-Frage mehr.

🌱 Frage Dich immer wieder: „Was könnte ich noch fragen?“

Vielleicht merkst Du beim Lesen, dass es Dir gar nicht so leicht fällt, neugierig zu bleiben. Kein Wunder, denn gerade unter Druck schaltet unser Gehirn schnell in den Modus von Kontrolle, Vorsicht und schnellen Bewertungen.

👉 Deshalb lade ich Dich heute zu einem kurzen Tapping ein, um Raum für mehr Offenheit, Gelassenheit und echte Neugier zu schaffen.

Nimm Dir dafür nur ein paar Minuten. Vielleicht ist genau das der erste Schritt zu Deiner Führung, die weniger von Sorgen und mehr von Neugier und Offenheit geprägt ist. Und dann kannst Du – wie Kali – auch neue Blickwinkel auf die Welt genießen. 😉

P.S. Du kennst die Tapping-Punkte noch nicht?
Dann schau Dir zuerst mein kurzes Video dazu an.

Herzliche Grüße
Deine Sibylle 🌸

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Ich schreibe so, dass es einfach und flüssig zu lesen ist. Meiner Meinung nach, sollte Sprache sich gut anfühlen, statt kompliziert zu sein. Viel wichtiger als Wortkonstruktionen ist für mich echte Gleichberechtigung ALLER im Alltag.

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Ich erhebe keinen Anspruch auf absolute Wahrheit. Alles, was ich hier teile, basiert auf meinen eigenen Erfahrungen und der Arbeit mit meinen Klientinnen. Es ist meine persönliche Meinung, geprägt von dem, was ich bisher gelernt und erlebt habe.

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© sibylle chaudhuri | coaching & training

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