
„Entschuldigung, genau das habe ich doch gerade gesagt.“
Den Satz habe ich nie ausgesprochen aber öfter gedacht, als mir lieb war.
Früher ist mir das öfter passiert: Ich habe eine Idee oder einen Vorschlag ausgesprochen und es kam mehr oder weniger keine Reaktion. 5 Minuten später sagt ein Kollege genau das Gleiche und alle hängen begeistert an seinen Lippen und finden die Idee brillant.
Meist war ich dann so perplex über diese Dreistigkeit, dass ich nichts dazu gesagt habe. Und dann war ich meist wütend … auf mich selbst. Aber das verflog meist schnell und wurde durch Gedanken ersetzt wie:
- Bilde ich mir das nur ein?
- Habe ich mich nicht klar ausgedrückt?
- Können die mich nicht leiden?
- Wahrscheinlich bin ich zu empfindlich – hat meine Mutter ja schon immer gesagt.
- Denken die, ich bin inkompetent?
- Vielleicht bin ich gar nicht so schlau, wie ich denke.
- Was hab ich bloß jetzt schon wieder falsch gemacht?
Sofort fing ich an, an mir und meiner Wahrnehmung zu zweifeln.
Wenn Deine Stimme nicht gehört wird
Dieses Phänomen hat sogar einen Namen: Hepeating, zusammengesetzt aus dem Englischen „he“ und „re-peating“. Es steht für eben solche Situationen, in denen Aussagen und Vorschläge von Frauen in Meetings und Gesprächen ignoriert werden und wenn kurz darauf ein Mann dieselben Worte wiederholt, die Idee plötzlich wertgeschätzt und anerkannt wird.
Aber darauf will ich heute gar nicht tiefer eingehen, sondern es nur für Dich erwähnen, damit Du weißt, dass Du Dir das nicht einbildest, und vor allem, dass Du nicht allein damit bist.
Viel spannender finde ich die Frage:
Was macht das mit Dir, wenn Deine Stimme nicht gehört wird?
Bei mir und auch bei vielen meiner Klientinnen sind mir immer wieder folgende Gedanken aufgefallen:
- Was für einen Sinn macht es noch, meine Ideen und Meinungen mitzuteilen.
- Niemand interessiert sich dafür, was ich zu sagen habe.
- Wahrscheinlich sind meine Ideen doch nicht so gut.
- Vielleicht soll ich lieber meinen Mund halten.
Und genau da liegt für mich der Hund begraben.
Natürlich kannst Du Deinen Mund für immer halten oder Du kannst lernen, Hepeating anzusprechen. Du kannst etwas sagen wie z.B.:
„Ich freue mich, dass Dir mein Vorschlag von vorhin so gut gefällt und ich möchte gleich daran anknüpfen, …“
Und manchmal solltest Du das auch tun.
Aber noch wichtiger finde ich etwas anderes:
Du kannst aufhören, Deine eigene Wahrnehmung davon abhängig zu machen, ob und wie andere gerade auf Dich reagieren.
Wenn Du merkst: „Ich habe etwas gesagt und niemand hat darauf reagiert“, dann frag Dich nicht sofort „Was habe ich falsch gemacht?“ sondern halt kurz inne und frage Dich lieber mal wieder:
- Was denke ich eigentlich darüber?
- War meine Idee wirklich schlecht – oder wurde sie einfach nicht gehört?
- Möchte ich noch einmal etwas dazu sagen?
- Und was brauche ich gerade, damit ich mich selbst mit meiner Stimme wieder ernst nehmen kann?
Du stärkst Dein Selbstvertrauen nicht damit, dass alle anderen plötzlich begeistert nicken und applaudieren, sondern damit, dass Du Dir selbst zuhörst und glaubst, wenn Du etwas wahrnimmst, denkst, fühlst oder willst.
Vielleicht hast Du ja heute mal Lust auf eine kleine Übung?
Achte einmal darauf, wie schnell Du Deine innere Stimme infrage stellst, wenn andere nicht auf Deine Ideen und Meinungen reagieren.
Dann frag Dich nicht als Erstes: „Was stimmt mit mir nicht?“
Sondern frag Dich: „Was denke ich?“
Genau darum wird es auch bei RESET & RISE 2026 gehen. Nicht darum, wie Du noch souveräner wirst oder noch besser mit schwierigen Situationen umgehst. Sondern darum, wieder mehr darauf zu hören, was eigentlich Du denkst, willst und brauchst – und Deiner eigenen Stimme wieder mehr zu vertrauen.
👉 Mach es Dir doch einfach jetzt gleich für ein paar Minuten gemütlich und tappe ein paar Runden mit mir, um Dich zu erinnern, dass Deine Wahrnehmung und natürlich Deine Stimme da sein dürfen und Du Dir vor allem selbst zuhören und Dich ernst nehmen darfst.
Herzliche Grüße
Deine Sibylle 🌸
P.S. Du kennst die Tapping-Punkte noch nicht?
Dann schau Dir zuerst mein kurzes Video dazu an.
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